XXXIX. Bayerisches Eck

In d’Zukunft Schaun

 

Wünschen Sie sich aa manchmoi, dass Sie in d’Zukunft schaun könnten? Nur so a bissl, nur für de wichtign Dinge? I moch mir scho vui Gedanken über die Zukunft. Manchmoi vielleicht zu vui. Oba man kann ja aa ned goar so blauäugig einfach in de Dog eini leben, oda? Man mog se scho rüsten für die Zukunft, aa wenn man ned woas, wia sie wirklich ausschaun wird.

Vor kurzem hob i a Reportage über die Geschichte des Computers und des Internets gseng. Is scho Wahnsinn, wenn ma denkt, wos se do vor allem in de letzten paar Jahrzehnte getan hod. Wer häd in den 1980er Jahre dran gedacht, dass wir heid nimmer ohne Internet sein könna? Vo kloa bis groaß, praktisch a jeder vo uns hod heutzutag a Smartphone in da Taschn. A Telefon, mid dem praktisch ois mögliche getan wird, oba fast nimma telefoniert wird. Whatsapp, Facebook, Snapchat und wos es sonst no ois gibt, ohne des ma heid nimmer „up to date“ is.

In meiner Kindheit warst scho voi der Held, wennst a Autotelefon ghod host. Des waren dann so riesige, schwere Trümmer, wia a Ziegelstoa so groß. Und dazua a riesige Antenne auf dem Autodach. Sowas ham nur de Geschäftsleid ghobt. Und mei Onkel. Oba des is a andere Gschicht. Und heid? Kannt ma uns a Leben ohne mobiles Telefon ibahaupt nimma vorstejn. Kloa, leicht, handlich – und ohne sichtbare Antenne. Wobei: Es gibt ja aa scho wieder den umgekehrten Trend und de Geräte wern gerade wieder größer. Verstehen muaß man des ned unbedingt. Vielleicht ham ma uns mid dem ständigen Starren auf de kloana Bildschirme de Augn so verdorm, dass es sowas braucht. Und damit se koana bled vorkommt, mocht ma’s hoid zum Trend. Scho komisch, unsere moderne Wejd.

Wos hed ma eigentlich anders gmocht, wenn man vor zwanzig Jahrn des schon gwisst hätten? Wahrscheinlich goar nix. I hob moi ghört, dass man selbst mid dem Wissen üba de Zukunft immer wieder in de gleichen persönlichen Fallen tappt. Wahrscheinlich kann man hoid einfach ned aus seiner Haut. Und man lernt ja sowieso ganz seltn wirklich aus seine Fehla, stimmt’s?

Stellt sich aiso wieder de Frage, ob ma wirklich in de Zukunft schaun wui. Vielleicht gfoid oam ja des, wos ma do segt, goar ned und man kann’s doch ned ändern. Deswegn sollt ma in da Gegenwart ned zu vui Zeit an Gedanken über de Zukunft verschwenden. De kimmt schnej gnug. Stattdessn soid ma heid vielleicht aa moi fünfe grod sei lossn. Und ois a bissl entspannter segn. Aa wenn’s schwer foid. Morgn is des ois vielleicht eh nimmer so wichtig.

Mir fällt grod auf, dass i jetzt ganz furchtbar pseudophilosophisch worn bin. Deshalb ist jetzt damit Schluss. Jetzt gehen ma wieda raus ins echte Leben! Ins Leben im Hier und Jetzt. Sonst verpass ma des noch, vor lauter in d’Zukunft schaun. Und des wär dann ja aa bled, oda?
 

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein