XLI . Bayerische Eck

Wos wirklich wichtig is

 

Wann warn Sie eigentle s‘letze Moi in de Berg und haben so a schene Wanderung gmocht? Des is guad fir d‘Seel – und de Figur. Man is amoi weg vom hektischen Alltagsbetrieb und kommt wieder zu sich. Und man denkt amoi wieda daran, wos wirklich wichtig is im Leben. An so Sochan wia gsund san und Familie, Freunde, dass ma in Freiheit und Frieden lebn derfa und sowos.

Sie merkn, i werd ejtz grod a bissl kitschig. I war nämle heid af am Berg. Noch ewig langer Zeit moi wieda. Nochdem i im Spiagel gseng han, dass de gaaanz wenigen Eisbecher, Schokoriegel, Gummibärle und Kuachastickl doch ned so ganz spurlos voriba ganga sand wia i ghofft hed. Mid dem Fitnessstudio gehn is aa nimma weit her, oba wenigstens zoi i no dafir. Leider woas mei Körper des irgendwie ned. Irgendwie ungerecht, find i. Der kannt des ruhig a bissl honorieren, oda? Naja, es geht hoid ned imma fair zua aaf der Wejd.

Oba i wui mi ned beschwern. Immerhin bin i heid no ganz guad affe kemma, af den Berg. Zwar recht langsam und gschnauft han i aa wie noch am Marathonlauf, oba i han‘s geschafft. Wahrscheinli hod mei Körper dann so vui Glückshormone ausgschütt, dass i dann zum Siniern angfangt han. Des is doch aa so, wenn man knapp am Unglück entronnen is. Do mecht ma aa de ganze Wejd umarmen. Do sand aaf amoi de bledsten Leid guade Freind, wei ma se so gfreit. Oba des dauert ned lang. Dann is ma wieda normal. Und dann mog ma wieda ned grod an jeden.

Inzwischen bin i aa wieder herunt vom Berg. Und mei Weltbild normalisiert se a grod wieda. Wobei i schon sogn muaß: A bissl wos bleibt. Von dem Gfui dafür, wos wirkle wichtig is. Und dass ma de kloana Alltagssorgn ned immer so wahnsinnig ernst nemma derf. Andererseits:
Solang ma uns iba de kloana Sachan afreng, geht‘s uns eh guad. Weil dann gibt‘s nix Schlimms.
Jedenfois: Gehns moi wieda aaf an Berg. Is so schee do drobn und de Wejd druntn schaut dann so kloa aus. Des duad oft richtig guad.

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein