XLII . Bayerische Eck

Selektives Hören

 

Man hört nur des, wos ma gern hörn mog und des, wos oam ned in Kram passt, des wird ignoriert – des kennen wir olle, glaub i. Vor allem segn wir diese Unart besonders deutlich bei andere Leut. Weil ma sejba is do natürle ganz anders. Man is objektiv. Imma. Moint ma.

Vor kurzem kimmt mei Freind von am Kneipenabend mid seim Kumpel hoam und verkündet – no ned amoi richtig von der Tür herinnen – dass es schlecht is, wenn ma als Mann im Sitzen bieselt. Im Stehen sollt des viel besser für die Gesundheit sein. Des hod – angeblich – der Urologe von seinm Freind gsogt. Weil der offenbar a boar Probleme mid seiner Prostata hod. Aiso ganz abgseng davon, dass i solche intimen Details aus freundschaftlichen Gesprächen ned weitererzähln würd (weil dann vielleicht in einer Kolumne drüber gschriebn wird), is mir erst amoi die Fernbedienung aus da Hand gfoin. I hob dann nochgfrogt, ob die zwoa vielleicht aa darüber gredt habn, dass Rauchen total schädlich is und dass sie des gemeinsam aufhörn könnten. Immerhin hod sei Kumpel scho amoi Herzprobleme ghobt. Aber nein, der Gedanke is offenbar ned aufkemma. Weil i hob für diesen – scho fast blasphemischen Kommentar – einen total missbilligenden Blick als Antwort gkriegt.

I muaß dazu sogn, dass mir das holde Schicksal bei der gemeinsamen Wohnung mid meim Schatz eine Situation beschert hod, wo ma über zwei WCs verfügt. Oans im großen Bad und oans extra. In meiner unendlichen Herzensgüte hob i deswegen dann vorgeschlagen, dass mei Schatz künftig des Gästeklo für sich allein habn kann und i des im Bad nehm. Und dass er des dann so handhaben kann, wie er’s für seine Gesundheit am besten findet. Weil er dann ja aa für die Reinhaltung dieses Örtchens allein verantwortlich is.

Dann hob i eahm gleich noch a boar weitere Gesundheitsthemen für des nächste Treffen mid seim Kumpel mid auf den Weg gegeben. Schließlich liegt ma des Wohlbefinden vo meim Schatz und vo seine Freind scho sehr am Herzen. Und wenn sich de zwei moi einig sand, is des recht effektiv. Offenbar.

Wos soll i sogn – i hob mi an dem Abend ned wirklich beliebt gmocht bei ihm. De gefühlte Temperatur in unserem Liebesnest ist schlagartig um mindestens 20 Grad obgfoin. Aufn Nullpunkt. Oba des Guade is: Er hod des Ganze aa boid wieder vogessen. Das menschliche Gedächtnis is do manchmoi echt gnädig zu uns. Ned seltn vogessen wir die unangenehmen Sachen sofort wieder. De guadn dagegn, die wissen wir ewig. Dass Schokolade Glückshormone beinhaltet zum Beispiel. Des vergess i nie! Dass ma dafür oba dann aa ins Fitness-Studio gehen und trainieren sollte, daran denk i ganz seltn. Dass a Glasl Rotwein guad für’s Herz is – angeblich – des hört ma gern. Dass oba Alkohol aa die Leber belastet, möchten wir dagegn am liebsten ned wissen. Mir hearn hoid gern selektiv. Beim Bieseln und bei de kloana Sünden des Alltags. Oba mei – so is’s Leben. Und ma sejba is do ned recht vui anders, wia de anderen Leid um oan rum. Mocht oba nix. Weil damit befinden wir uns in echt guada Gesellschaft. Mid andere – und uns sejbst.

I wünsch Eahna an scheena Herbst und immer des richtige Gspür für des, wos ma hörn und wos ma überhörn soll!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein