XLIII. Bayerische Eck

GLÜCK?

 Wenga als ma moint!

Irgendwo han i amoi den Spruch glesen, dass immer dann, wenn ma Pläne für sein Leben mocht, irgendwo des Schicksal lachend vom Stuhl fällt. Und ganz ehrlich: Ziemlich oft is es genau so. Denn oft kimmt’s tatsächlich ganz anders als ma moint. Manchmoi is des vielleicht aa ganz guad so. Und vielleicht mochd des aa sogoar glücklicher.

I hob ma vor kurzem den Film „Dieses bescheuerte Herz“ angschaut. Ham Sie den scho gseng? Wenn ned, kann i Eahna den wirklich empfehln. Er beruht af einer wahren Gschicht von am schwer kranken Buben und seinem besten Freund. Der Bub is seit seina Geburt herzkrank, muaß immer a Sauerstoffflasche mit sich rumtrogn, derf se ned stark anstrengen und muass jeden Dog a ganze Handvoll Tabletten nehmen. Er is immer wieder im Krankenhaus und scha oft operiert worn. Deswegn sollte gerade da jeder neue Tag wirkle wertvoll sei. Und durch sein bestn Freind werdn die Tage dann für ihn aa wieda wertvoll – weil er schöne Erlebnisse hod und sich so manchen Herzenswunsch erfülln kann. Dabei sand seine Herzenswünsche ganz normale, alltägliche Sachen. Sich verlieben, am Mädchen a Rose schenka, a Lederjacke kaufen. Vielleicht bringt oahm so a Geschichte wieder a bissl mehr af den Boden zruck. Denn dann woas ma wieda, wos eigentlich wirkle zählt im Lebn. Es sand ned de großen Sachen. Sondern de Kloana.

I hob vor kurzem glesen, dass es auch viel glücklicher macht, wenn wir in Erlebnisse und Erfahrungen investieren, statt in Sachn. Denn wenn man Menschen frogt, wos sie glücklicher gmocht hod – a schöne Reise oder a schönes neues technisches Gerät – dann entscheidn sich de meisten für‘s Erlebnis. Und ganz ehrlich: Wia oft kaff ma Sachen aus am Impuls heraus, vielleicht sogar weil ma moint, dass ma se damit a Stickl Glück kauft? Des Glücksgefühl hoid oba oft ned lang. Bei besondere Erlebnisse, Reisen, Treffen mit Familie und Freunden is des anders, de Erinnerungen daran mochand uns ganz oft und lang glücklich. Und deswegn sand aa ned de reichsten Menschen am glücklichsten, sondern die, die ned ständig mehr verlangen.

Übrigens: Die sozialen Netzwerke wie Facebook können unglücklich mochen. Moi ehrlich, vui Leute woilln sich doch do einfach nur im besten Licht darstellen und zeign, wos sie ois erlebn und wie glücklich sie sind. Auf Facebook & Co. geht’s vieln drum, de andern zu übertrumpfen – scheener, schneller, besser, glücklicher. Die Wirklichkeit? A ganz andere Gschicht. Und ma sejba? Fühlt sich ganz schnell kloa zwischen de ganzen Globetrotter, Heile-Welt-Bilder und blankpolierten Photoshop-Gsichter. Eigentlich ganz schee bleed, oder?

Statt recht vui Zeit im Internet zu vertrödeln, sollt man liaba mehr Zeit in de realen Netzwerke investiern. Des mochd sicher vui glücklicher. Moi wieder a Nachbarschaftsfest feiern. Spontan Freind besuchen. In a scheens Erlebnis investieren. A guads Buch lesen. Aufhörn, immer nach mehr zu streben und se mid andere zu vergleichen. Se auf des besinnen, wos ma hoid, statt af des, wos oam vielleicht fehlt.

Leben ist das, wos passiert, wenn ma andere Pläne mochend. Nutz ma de Zeit!

Ois Guade für’s neue Joahr und ganz vui glückliche Erlebnisse!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein