XXIX. Bayerisches Eck

Bayerisches EckMännerdomäne

 

Mei Freind hod ma grod gsogt, Technik is de letzte Männerdomäne, de letzte verbliebene Bastion der Herren der Schöpfung. Deswegn hockt er aa seit geraumer Zeit vor seina neuen Stereoanlage und montiert Boxen und Antennen. Dafir ham sogar meine zwoa schönen Vasen weichen miassn. Unglaublich. I hob oba dafür gsorgt, dass sie an andern schönen Platz kriagn. Ja, und jetzt schreib i Eahna. Mit am Computer. Aa Technik – oba wurscht. Man wui ja ned kleinlich sein. Außerdem is’ grod still worn, an der Männerfront. Des neimodische Ding von Stereoanlage muaß ma nämlich aa no „programmieren“. „Früher hod ma’s einfach eingschoit!“ hob i grod ghört. Oba i misch mi do ned ein. Schließlich will i ned de letzte Männerbastion aa no erobern. Zumindest heid ned.

Mia fallen jetzt grod de ganzen Manna-Weiba-Stereotypen ein. I woaß aa ned warum. Zum Beispiel: Frauen können ned einparken und Männer ned zuhören. Des erste is natürlich a Krampf. Mia kinna genauso guad einparken! Mia sand bloß ned so faul und kinn ma aa amoi a boar Meter gehen. Des andere stimmt übrigens aa ned. Männer können sehr wohl zuhören, sie wollen nur meistens ned. I glaub, deswegen is es ihnen manchmal ganz recht, dass es dieses Stereotyp gibt. Do hod ma glei a ganz guade Ausrede. Man kann des oafach ned. Do kann ma goar nix dafür. Des is sozusagen biologisch bedingt. Dabei is des ganz schön schade. Denn Frauen reden gerne üba Gefühle. Heißt es. Auch so ein Stereotyp.

Auf jeden Fall is es blöd, wenn uns der Mann des Herzen do ned zuhört!  
Ein anderes Vorurteil is, dass wir keinen Orientierungssinn hätten. Des is natürlich a Krampf. Wir können uns ganz hervorragend orientieren! Vor allem in Schuah-Geschäfte. Jawoll! Wobei – wenn i des richtig sehe, hod mei Freind mehr Schuhe wie ich. Also von wegen, Frauen hätten einen Schuh-Tick! Da steht uns das andere Geschlecht ned zwangsläufig in irgendwas nach! Was i natürle scho irgendwie bestätigen muass is, dass Frauen oft zu zweit auf die Toilette gehen. Zu meiner Diskothekenzeit war des auf jeden Fall immer so, manchmoi warn wir da sogar zu dritt. Der Grund war ganz einfach – do hod ma sich in Ruhe unterhalten können! Jaja, wir reden scho a bissl lieber und mehr als Männer. Stimmt scho. Aber diese Kommunikationsbegabung is ja nix Schlechtes! Aiso zumindest ned unbedingt. Und dass Männer besonders wehleidig sind und sie scho a kloana Schnupfen aus der Bahn wirft – des stimmt auch. I kann mi na guad erinnern, als mein Bruder und ich noch beide zu Hause gewohnt haben, do hod er beim kleinsten Ziehen immer sofort gemeint, des könnte a Virus sein, der womöglich auf’s Herz geht. Mia ham ihn dann natürlich heftigst bemitleidet. Des hod nur leider in de meisten Fälle ois na viel schlimma gemacht. Oba do derf ma bis heute nix zu ihm sogn. Dass des vielleicht a bissl übertrieben is – manchmoi. Des wiederum bestätigt eine weitere, typisch männliche Eigenart: Sie können keine Kritik votrogn und koa Fehler eingestehen. Aios des stimmt schon wirklich oft!

Naja guad – wer wird scho gern kritisiert? Do mocht ma se ungefähr so beliebt, wie wenn ma jemandem an Rat geben will, nach dem derjenige goar ned gfrogt hod. Apropos, des mit der Stereoanlage dauert schon ganz schön lange. I bin ja der festen Überzeugung, dass ma des anders mocha miassad. Oba i sog jetzt bessa nix.

Außerdem is er jetzt ja endlich fertig – mid da Männerbastion und der Welt, so wia’s ausschaut. Jetzt schaun ma mal, ob des Ding an gescheidn Sound hod. Hm – nein, hod’s leida ned. Ohje, so a bleeds Ding! De besten Gschichten sand hoid die, die’s Leben schreibt.

Mochand Sie’s guad und lossand’s Eahna ned ärgern mit irgendwelche Vorurteile.Bis zum nächsten Moi und an schena Rest-Sommer!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein