XXX. Bayerisches Eck

Bayerisches EckKoa Zeit

 

‘S Leben ist irgendwann zwischen meim 18. Geburtstag und heid schneller worn. I woas ned genau, wann. Und ich woas aa ned warum. Oba es is so. Seither vergeht die Zeit fast wie im Flug – zumindest kommt’s mia manchmoi so vor. Des letzte Wochenende zum Beispiel – wie a D-Zug is es rum um’s Eck. Und der letzte Urlaub – immerhin drei Wochen am Stück? Weg, wie nix. Bis i gschaut han, bin i scho wieder in der Arbeit gsessen. De Urlaubsreise hinter mir, als wenn’s nur a Tag gwesen ward. Ja, und jetzt is in zwei Monaten – ja in nur ZWEI Monaten – scho wieda Weihnachten. Dabei spüre ich doch immer noch die Sonne auf meiner Haut. Die Sonne dieses wahnsinnigen Sommers. Mei war des schee… Guad, de Hitz war oam manchmoi aa a bissl zu vui. Oba beschwern mecht i mi wirkle ned. Sche war’s! Und jetzt? Is es trüber worn, dunkler – oba aa ziemlich bunt. De Laubfärbung is scho echt toll. Wenn i aus meim Fenst schau und de goldenen Blätter sehe, dann kann i mi fast goar ned satt sehn. Und wenn dann noch dazu die Sonne scheint – a Traum.

Und do wird mir bewusst: Scho wieder geht a Jahr langsam oba staad seim Ende zua. Wo is de Zeit blim? I woas no ganz genau, wie’s letztes Jahr im Oktober war. Als i an einem warmen Tag mid am Freind in der Mittagspause bei einem Cappuccino vor einem Café gesessen bin. Wia ma über seine Weiterbildung geredet ham und über meine aktuellen beruflichen Projekte. Und jetzt sind scho wieder 12 Monate vergangen seither. Mia kimmt’s vor, als wenn’s gestern gwen ward.

I find, am meisten sieht ma’s bei de Kinder. Wenn sie größer wern – do sieht ma die vergangene Zeit am stärksten. Raus aus de Windeln, rein in den Kindergarten, dann in die Schule und irgendwann mochand’s an Führerschein und Du denkst Dir: Hey, i woas no, wia du ganz kloa warst. Und vor allem woas i no, wia i sejba mei erste Fahrstund ghobt han! Des kann doch eigentlich no goar ned so lang her san! Oba mei Führerschein sogt mia, dass es sehr wohl lang her is.

Oba mechd ma eigentlich nochmal zruck? Also ganz ehrlich – i ned. Ois hod sei Zeit. Nur – ganz so schnej miassad de Zeit ned vogeh. Des Wochenende könnt ruhig a bissl länger dauern. Der schöne Sonnenuntergang a bissl länger bleim. Des Glasl Wein mid der Freundin auf dem Balkon der Studentenbude ned goar so schnell leer sein. Und des Privattheater, des ma bei eben diesem Glasl Wein unterm Balkon regelmäßig geboten kriagt hod, ruhig a bissl länger anhalten. Und der Urlaub kannt natürlich aa a bissl langsamer zu Ende gehn!

Oba bei so manche Sachan is ma ja aa ganz froh, dass sie schnell vorbeigehen. Der Zahnarzt-Besuch zum Beispiel, der kannt vorbei san, bevor er ogfanga hod. Oder de Prüfung am liebsten scho überstanden sei, bevor se ogfanga hod. Und so mancher Ärger im Beruf – do is ma aa ganz froh, wenn der möglichst schnell rum is um’s Eck. Also eigentlich brauchad’s denn aa goar ned. Do kannt ma gut und gerne komplett draf verzichten. Genauso wia af de ganzen Reinfälle bei Freunden, Expartnern, Fehlkäufen und dem ganz Glump, des ma irgendwann moi gschenkt kriagt – oder bessa gsogt, des bei oam abgeladen worn is. Des hätte eigentlich ois komplett an oam vorbei gehen können.

Wobei – wia langweilig wär’s, wenn ois immer guad geh dad. Do dad ma se doch total langweilen! Nix, über des ma se mal so zünftig aufregn kannt! Wegen dam ma amoi so richtig Dampf ablassen kannt! Des ward doch aa bled, wenn des goar ned mehr gangad. Stinklangweilig ward’s oam do! Also mia zumindest. Und deswegn mecht i a goar nimma 18 sein. Aa wenn de Zeit seither irgendwie schneller vogeht. Es is scho guad so. Und außerdem liegt’s ja aa an oam sejba – wos ma mocht, mid seiner Zeit. Und deswegn muass i jetzt aa wieder schaun, dass i weida kimm. Es gibt schließlich no so viel zu machen und zu entdecken.

Und de Zeit rennt! Bis zum nächsten Moi – Sie werden segn, de zwoa Monate zur nächsten Bizz san ganz schnej rum!

 

Bis boid und herzliche Griaß!
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein