XXXI. Bayerisches Eck

bay FahneRotzleffe

 

Ich möchte behaupten, dass es sich in keiner anderen Sprache und keinem anderen Dialekt so schön schimpfen lässt, wie im Bairischen. Das ist schon fast künstlerisch. Denn bei allem Ärger bringt der Dialekt immer ein bisschen Augenzwinkern und ein bisschen Abmilderung in die ansonsten doch oft sehr harten Worte. Auch so manches Schimpfwort, das man ebenso aus der deutschen Standardsprache kennt, hört sich im bairischem Dialekt oft gleich eine Spur lieblicher an.

Vielleicht kennen Sie die bis 2003 gedrehte Serie „Café Meineid“ des Bayerischen Fernsehens von Franz Xaver Bogner mit dem legendären Erich Hallhuber in der Rolle als Richter. Eine Folge ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Es ist jene mit Erni Singerl in der Rolle einer gekündigten Bedienung. Vorangegangen war ein Streit mit einem Gast, der sie „Sie blöde Kuh, sie blöde!“ genannt hatte. „Blede Kuah“ also, fragte daraufhin der Richter nach, doch sie widersprach. Nein, nein, „blede Kuah“ wäre nicht so schlimm gewesen, aber er habe „blöde Kuh“ gesagt, mit „ö“.

Und da es sich somit offenbar im Bairischen besonders nett und ungestraft schimpfen lässt, widmen wir uns heute ein paar der schönsten und extra für dieses bairische Eck ausgewählten Schimpfwörter unseres geliebten Dialekts.

Aufgstellter Mausdregg für ein Kind oder einen kleinen Menschen, Bachratz für eine ungepflegte Person, oder Bauernfünfer für einen ungehobelten Menschen – diese Ausdrücke kennen Sie wahrscheinlich. Auch bsuffenes Wagscheitel für Trinker bzw. Säufer, Dimpfe für einen stumpfsinniger Menschen, Dotsch für den Tollpatsch und Einergschmeckter für Zugereister, also eine nicht einheimische Person, ist Ihnen sicher ein Begriff. Aber wissen Sie auch, was ein Foamzuzler ist? Damit bezeichnet man einen Bierdimpfel oder einen Spießer. Das Gschwerl (Gesindel, Pack), der Gwamperte und das Grischperl (dickleibiger bzw. schmächtiger Mensch), der Haderlump (Taugenichts) und die Hundsmatz (durchtriebene, hinterhältige Person) kennen Sie bestimmt auch.

Auch lassen sich aus den Spottnamen die ein oder andere Geschichte spinnen. Wenn der Kniebiesler (unreifer Bursche) auf den Lackl (derber Bursche) trifft, wird’s bestimmt interessant. Der Lätschenbeni (antriebsloser, langweiliger Mensch) und der Loamsiada (energieloser Mensch, Feigling) würden sich im Gegensatz dazu wahrscheinlich gegenseitig noch mehr langweilen. Und die Matz (durchtriebene Weibsperson) hat wahrscheinlich wenig Freude mit dem Noadnigel (Geizkragen). Der Strawanzer (Herumtreiber) und der Trietschler würden sich wohl kaum richtig anfreunden, während der Schoaßaufschmegga (Wichtigtuer), der Schpruchbeidel (Angeber) und der Tüpferlscheißer (kleinlicher Mensch, Besserwisser) wahrscheinlich viel Gesprächsstoff finden. Vorausgesetz, der eine lässt den anderen zu Wort kommen – und wenn ein lästiges Wimmerl (aufdringliches, bockiges Kind) nicht dazwischenkommt. Denn dann könnte man schon leicht mal zur Zwiderwurzen (mürrischer Mensch) werden. Genauso wie bei den ganzen Flitscherl (Flittchen), Pflotschn (Tollpatsch), Pritschen (klatschsüchtige Person), Schmarrnbeni (Mensch, der viel unsinniges Zeug redet), Zipfeklatscher (Unsympath) und Zwiefler (Schikanierer), die einem hin und wieder mal begegnen.

Aber mein liebstes Schimpfwort im bairischen Dialekt ist eins, das bisher noch nicht genannt wurde: Rotzleffe! Aber mal ehrlich – das ist doch eigentlich gar kein Schimpfwort – das ist doch fast schon Kunst!

Bis boid und herzliche Griaß!
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein

Zum Weiterstöbern:
www.bayerische-schimpfwoerter.de