XXXII. Bayerisches Eck

bay FahneHeid moi liaba offline

 

Es geht hoid doch nix über des guade, oide Papier! Wenn ma die Druckerschwärze no so a bissl riecht und wenn man schon beim Anfassen weiß: Des is real. Des Gfuil kann koa Bildschirm ersetzen. Aa wenn er am Anfang noch so schön, glänzend und faszinierend ist. Zumindest denk i so.

Guad, in Sachen Digitalisierung war i in meim bisherigen Lebm ohnehin nia die Schnellste. I glaub, i war eine der letzten aus meim Bekanntenkreis, die sich a Facebook-Profil zuaglegt hod. Sogar meine Mutter war friara dran. Mein Bruder dagegen hod bis heid koans. Glaub i zumindest. Und i bin öfter am Überlegn, ob i des überhaupt brauch. Denn mid de sozialen Netzwerke, des is so a Sach. Do wird manchmoi des digitale Äußere – also Profilbild und Status – mehr gepflegt als des reale Äußere und de Freundschaften außerhalb der digitalen Wejd. Guad, man muas es ja ned so weit komma lassen. Es hod hoid ois Vor- und Nachteile.

Viele Leute sind ohne Smartphone und Tablet PCs scho fast nimmer lebensfähig. Ständig neie Apps, also kleine Sonderprogramme für die mobilen Geräte, sollen einem das Leben einfacher machen. Vieles ist ja auch total praktisch – keine Frage! Und ois is vernetzt. Von überall her kann i meine E-Mails lesen und im besten Fall sogar von unterwegs aus die Heizung dahoam einschalten, damit‘s warm is, wenn i vo da Tür reingeh.

Vieles is durch die Digitalisierung aa anders worn. Wer von Ihnen hod eigentlich noch a analoge Kamera mit Filmspule in Gebrauch? Man kriagt ja das Verbrauchsmaterial schon fast nimmer. Und wer hod eigentlich überhaupt no a Kamera, wo doch inzwischen mit‘m Smartphone fast mehr fotografiert, im Internet gsurft und Textnachrichten voschickt wern als telefoniert?

Dass de Digitalisierung oba manchmoi aa a Fluch sein kann, is mir erst vor kurzem wieder so richtig bewusst worn. Mir ham uns in manche Bereiche ganz schön abhängig vo der digitalen Welt gmacht. Natürlich is es oft arbeitserleichternd, wenn die ganzen Dokumente auf am Server liegen und i sie von überall her abrufen kann. Wenn nimmer tausend Ordner im Büro rumstehen. Oba des is aa nur so lange guad, wie alles funktioniert. Denn wenn ma Pech hod, kimmt a PC-Virus, a so genannter Trojaner, und frisst alles zam. Beziehungsweise er verschlüsselt vor lauter Freude über die bekloppten Digital-Junkies de ganzn wichtigen Dateien, so dass man sie nimmer öffnen kann. Adresslisten, Briefvorlagen und Anmeldelisten – ois weg. Und wenn ma richtig Pech hod, hod ma als tägliche Sicherheitskopie – weil man mocht ja alles richtig – die verschlüsselten Dateien aa auf der externen Festplatte. Und dann schaut ma echt dumm. Und kramt die oiden Ausdrucke wieder hervor – wenn ma’s no hod -, um Schadensbegrenzung zu betreiben und zu segn, ob ma zumindest an Teil vo de verlorenen Informationen wieda rekonstruiern kann. Sogar Krankenhäuser ham mit solchen Cyberangriffen zu kämpfen – und do kann des besonders schlimm sa.

Oba bevor jetzt a falscher Eindruck entsteht: Nein, i bin koa ewig nörgelnde Internet-und-moderne-Welt-Kritikerin. Ganz und goar ned. Dafür leb i vui zu gern in der jetzigen Zeit und kauf vui zu gern im Internet ein. Bücher, Kleidung und allerlei anderen Klimbims. Ja, i woas scho: Damit mocht ma de Geschäfte vor Ort kaputt und trägt dazua bei, dass ma in de Innenstädte ständig aufpassen muas, dass ma ned von am Paketdienst überrollt wird. Oba manchmoi is es einfach echt total hilfreich! Ein Klick und es wird oam hoam geliefert. Nix mid Parkplatz suchen in der Innenstadt und anstehen an der Kasse. Guad, de Beratung in am Geschäft fehlt dann natürlich auch. Und die ist ganz oft durch nix zu ersetzen. I vosprich also, i werd mi in diesem Punkt bessern! Weil’s mir wichtig is, dass i auch vor Ort no guad einkaufen kann.

Aber überhaupt: Selbst bei einem Computer-Virus gilt: Selten a Schadn, wo ned aa a Nutzen dabei is. Man wird se nämle grod dann, wenn die Technik moi versagt, auch der Risiken bewusst. Und man erkennt aa ganz deutlich, wie viel man von den gefühlt 100.000 Dateien, de se in de Abgründe des Netzwerks angsammelt ham, wirklich braucht. Weng sog i Eahna. Ganz weng. Ja, aa im Computer ghört öfters mal afgrammt!

Auf jeden Fall gfreit’s mi ganz besonders, dass Sie die Bizz heute auf guadm, oidem Papier in Händen hoitn. Denn Papier ist beständig. Und do kann nicht so leicht ein Cybervirus daherkommen und Eahna de Lektüre vorhageln, also verschlüsseln und versperren. Ja natürlich, die Bizz gibt es auch im Internet. Aber mal ehrlich, in Papierform is sie vui schöner!
So und i hoid Eahna jetzt ned länger aaf und moch mi auch auf‘n Weg. Freunde treffen. In da realen Wejd. Nein, i möcht mein Computer und mei Smartphone ned missen. Und aa die vuien Annehmlichkeiten des Internets ned. Oba leben dua i dann doch liaba und hauptsächle in der analogen Wejd.

 

Mochand Sie’s guad und bis zum
nächsten Moi!

Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein