XXXIV. Bayerisches Eck

bay FahneFÜNFTE JAHRESZEIT

 

De fünfte Jahreszeit is anbrocha. Nein, ned da Fasching. Der is scho vorbei. Gott sei Dank übrigens. Der war heuer früh und kurz. Zum Leidwesen einiger – oba zu denen gher i ned dazua. Nein, i moin de Fußball-Zeit. Es is Europameisterschaft. I muaß ja gestehn, dass i solche Ereignisse bisher ned so verfolgt han. Und deswegn hob i aa goar ned midgriagd, dass ja in solche Zeiten fast jeden Dog a Spui stattfindet und übertragen wird. Wos sog i denn – oans? MEHRERE! Unglaublich. I hob ja den Verdacht, dass es so Verruckte gibt – also, i moin, so eingefleischte Fans – de se für de Wochan Urlaub nehmand, nur um alle Spiele zu sehen. Oder sie schauen heimlich, bei der Arbeit… Oba i wui do jetzt neamad verdächtigen.

Oder sie ham so a App für’s Smartphone. Bei mir hoißt de inzwischen Trillerpfeifen-App. De pfeift nämlich jedes Mal, wenn Anpfiff oder Halbzeit is, und natürle wenn a Tor foit. Und bei so viele Spiele jeden Dog, pfeift da irgendwie ständig wos. Komisches Gfui… Oba i find ja aa: Man derf ruhig mitfiebern mid unsere Fußballer. A bissl Stoiz auf unser Mannschaft is echt wichtig. I dua des heia übrigens aa. Denn i hob mi überredn lossn, mid a boar Freind a gloane Tippgemeinschaft einzugehen.
Oafach nur a bissl zum Spaß und jeder hod vorher die Tipps für die Endergebnisse obgebn. I hob oafach noch meim Bauchgfui getippt. Weil i vo Fußball faktisch koa Ahnung han. Wenn i ehrlich bin, dann hed i aa würfeln konna. Ward ned vui Unterschied gwen.

Oba, meine lieben Leser, bisher bin i fei bei de Besten mid dabei, mid meine Tipps. Des gfoid de Männer in der Runde übrigens goar ned. Guad, es kemmand ja no an Haffa Spiele. Und am Schluss werd i wahrscheinle untergehn. Oba egal. Denn i lern jetzt ganz vui dazu – über den Sport, der für so viele die Welt bedeutet. Af oamoi stell i mir Fragen, die wären mir vorher nia kemma: Warum gibt’s denn eigentle a „Abseits“? De Mannschaft is doch selber schuld, wenn sie dem Gegner das Feld am eigenen Tor überlässt, wenn der darauf schießen will. Und: Wia schaffn es de Schiedsrichter, a Gspui mit heiler Haut zu überstehn und ned niedergetrampelt zu werden? Und wieso um Himmels Willen gibt es immer wieder – und zwar quer durch die Nationen – einige, die beim Fußballspiel zum Schlägern anfangen? Manchmoi hod ma den Eindruck, de gegand nur zum Raffa hi. Do geht’s doch goar nimma um den Sport. Und des is schod! Denn der Sport kannt uns doch olle aa  a Stück näher zusammenbringen.

Fußball is a Weltmacht hod Dirk Kurbjuweit im Spiegel gschrieben – und des scho vor ziemlich genau zehn Joahr. Und daran hod se nix geändert. Eher im Gegenteil. Trotz unschöner Skandale auf Verbandsebene is der Sport beliebt wie eh und je. Is ja schee – denn der Sport mocht scho vui Spaß. Mitfiebern mid der Lieblingsmannschaft, se zum gemeinsamen Schauen treffen, Spaß hom und einfach a guads Spiel genießen. Ja, aa i han des inzwischen zu schätzen gelernt. Und deswegen find i de fünfte Jahreszeit im Moment echt ganz schee. I hoff, sie aa. Genießen sie de Zeit. Genießen Sie die Gemeinschaft. Und dengand’s dran: Es is a Spui. Ned mehr und ned wenga.

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein