XXXV. Bayerisches Eck

bay FahneSandeln –

und bloß ned ärgern lossn

 

Jetzt hätt i Eich beinahe vogessen, des Moi. Des derf i eigentle goar ned sogn. Oba es is leida so. Ganz fest hob i mia den Abgabetermin für’s Bairische Eck in mein Kalender eingetragen. Im Handy, no dazua. Und trotzdem is ma des beinahe durchgrutscht. Oba nua fast. Und deswegn sitz i jetzt do und schreib no schnej a boar Zeilen an Eich. Und nein, i bin no ned in Urlaub und lieg mid am Cocktail an irgendam Strand und hob Eich deswegn vogessen. Oba urlaubsreif, ja urlaubsreif, des bin i scho. Im Moment hock i trotzdem no brav in der Arbeit und warte, dass mei Urlaub endlich kimmt. Nimma lang, dann isses so weit! I gfrei mi scho sakrisch!

Und wos mochand Sie so im Urlaub? Fahrn Sie no weg oder sand Sie scho wieda do? Oda bleim Sie heuer sogoar einfach nua dahoam? Man kann auch dahoam so richtig schee abhängen. Nehmen ie sich einfach a Beispiel an de Bären im Nationalpark Bayerischer Wald. De liegen a bissl rum, gehen a paar Meter, lassen sich fallen, fressen a bissl und klettern anschließend vielleicht no af an Baum, um da a bissl abzuhängen. Des is a Leben! Guad, i mechad dabei ned von an Haufa Touristen begafft werden. Oba sonst? Einfach super!

So richtig schee sandeln! Koa Weckerklingeln mitten in der Nacht, wieder richtig ausschlafen lernen. Denn i woas ned, wia’s Eahna geht, oba i kim selbst am Wochenende immer automatisch zu der Zeit af, wenn da Wecker klingeln soid. Komischerweise passiert mir des unter der Woche selten. Naja, jedenfalls brauch i im Urlaub immer a boar Tag, bis i mi darauf eingestellt hob. Auf’s Ausschlafen können, moin i. Und af de Erholung.

Oba mei wahres Projekt is jetzt ohnehin a ganz anderes: I hob mir fest vorgnumma, dass i mi aa an de ganz normalen Tag nimma so sehr in Sachen reinstress, die’s ned wert sand. Des kann oam nämle glei moi so richtig an Dog verderm. Des mog sich jetzt vielleicht auf den ersten Blick recht esoterisch anhörn, oba man kann do wirklich ganz vui mit Willenskraft erreichen. Wei sind wir moi ehrlich: Wia oft belasten uns normale Alltagssorgn, oder mir regen uns über Kollegen, Kunden oder Bekannte auf? Und wos bringt’s meistens? Nix.
Als i des erste Moi irgendwo glesen han, dass oahm eigentlich koa anderer Mensch mit Worten verletzen kann, wenn ma des ned zualosst, hob i mir gedacht: So a Schmarrn! Oba ganz foisch, liebe Freunde, is des fei ned. Man kann durch Willenskraft scho ganz vui erreichen. Und wenn i sowas sog, mog des wos bedeuten. Denn i kann mi ganz wunderbar in Kloanigkeiten einesteigern, wia kaum jemand sunst.
Vor einiger Zeit hob i a Kaffeetasse mit einem Spruch drauf gschenkt bekommen, der jetzt echt guad zu dem Thema passt. Auf dera Tasse steht nämlich: Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Jo, und deswegen hoi i mir jetzt an Kaffee und vogiss mein ganzen Ärger, der se scho wieder aufgstaut hod, iba Sachen, de i sowieso ned ändern kann.

Apropos vogessen… wos woid i Eahna eigentlich noch sogn? Ah, genau! Genießen’s den restlichen Sommer no so ordentlich. Ob im Urlaub oder dohoam, ob in der Arbeit oder der Freizeit. Lossend’s mehr Zufriedenheit und wenger Ärger vo sich Besitz ergreifen.
So, und i wer jetzt mein Kalender a bissl besser organisieren. Damit i des nächste Moi ned wieder beinahe des Bairische Eck vogiss!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein