XXXVI. Bayerisches Eck

bay FahneDa kloane Finger…

Manche Freundschaften sand unbezahlbar! Des sand solche Leid, die man immer anrufen kann, egal ob‘s oam besonders guad oder aa moi schlecht geht. Und aa wenn man se wochenlang, ja monatelang ned gsegn hod, is do sofort a Verbindung do. Do muas ma aa nix erklärn, do is ma sofort wieder wia dahoam.

Und dann gibt’s Leid, de erinnern se nur an dei Freundschaft, wenn’s wos brauchand. Dann wissen’s oba ganz genau, wia und wo sie di erreichen können. Dann ruaffand’s notfalls aa mehrmals an. Des is oba aa no irgendwie ok, weil solche Menschn erkennt ma meistens ganz schnej und kann se dann ja entscheiden, ob ma se af sowas einlosst oder ned. Am besten natürle ned.
Oba dann gibt’s no a dritte Sorten. Des sand de Leid, de ma meistens nur a bissl kennt, oba irgendwann bietet ma eahna – aus welchem Grund aa immer – sei Hilfe an. Vielleicht weil’s oam leid doan (Helferkomplex), oder weil man grod an guadn Dog hod (so viel Glück muss geteilt werden) oder weil se oam so geschmeichelt ham (Eitelkeit), dass ma oanfach ned nein sogn kann. Und dann bietet ma eahna a bissl a Hilfe an. Nur a kloane, nur a bissl Hilfe. Und bis ma schaut, hängt ma ganz tief drin. In da Arbeit. Da Arbeit vo jemand anderem.

Mia is des scho öfter passiert. Und jedes Moi hob i mi tierisch geärgert. Iba mi sejba vor allem. Weil man’s ja eigentlich woas. Man woas es sogar recht guad. Und man hod ja zu jedem Punkt immer no die Gelegenheit, nein zu sogn. Oba man traut se dann ned. Man moint nämlich, dass man dann bled dosteht. Als ob des ned wurscht ward. Oda dass man jemanden im Stich losst, wenn man sogt, des is jetzt zu viel. Oba der Andere mocht se ja offenbar aa koane Gedanken darüber.  Und außerdem, wo is schlimma: Sich vielleicht moi unbeliebt mocha oder mid Arbeit von jemand anderm zugemüllt werden und se dann maßlos über sich sejba ärgern?
Jedenfalls: „Nein“ sogn will glernt werden. I kann des aa goar ned guad. Oba mid da Zeit wird ma bessa. Vielleicht gibt’s hin und wieda Rückschläge, oba man kann se mid da Zeit wesentlich öfta aus solche Situationen retten. Besonders heilsam is, wenn man moi zum Dank für de ganze Arbeit, de ganze Hilfe und de zahlreichen Gefälligkeiten, de man jemandem zukemma lossn hod, a ziemlich undankbare „Watschn“ kriagt. Im übertragenden Sinn, moin i. Wenn man vo so jemand bös hinterganga wird, duad des echt weh. Oba man lernt draus. Man lernt draus, dass man öfter moi „nein“ sogn muass. Und dass man schneja erkennt, wenn jemand statt dem Finger den ganzen Arm nimmt. Und dass des ned ok is. Und dass man do ned nur „nein“ sagen kann, sondern eigentlich sogoar muass.
Außer bei den echten Freunde und ibahaupt de ganzen Leid, die oafach an guadn Charakter ham. Do braucht’s de Vorsicht ned. De doan des sowieso ned. Bei dene hod ma eher `s Gfui, dass sie oam mehr zruck gebn als sie kriagt ham. Do muass ma’s „nein“ sogn deswegn aa goar ned lerna. Und vo dene gibt’s ganz vej. Und diese bsondern Menschen ham se heid echt moi a Bairisches Eck vodient. Ihr Liaben, Ihr wisst’s schon, wenn’s gmoant seids. Und des „nein“ sogn bei de andern – des lern ma oafach midanand!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein