XXXVII. Bayerisches Eck

Ballast abwerfen

 

Wieder is a Jahr rum und scho befinden wir uns in 2017. I bin eigentlich ganz froh, dass 2016 vorbei is. Des war irgendwia a komisches Jahr. A Jahr mit vui unguade Ereignisse. Also, find i zumindest. Oba vielleicht war es für Sie persönlich a guads Jahr. Des woas i natürlich ned. Wia a immer, jetzt is a neis losganga und de obligatorischen guaden Vorsätze sand gefasst. Nachdem ma de vom letzten Jahr scho eigentlich goar nimmer woas und somit aa ned, ob ma’s einghoidn hod, kann ma do aa ganz befreit rangehn. Ganz ohne Frust, moan i. Und sich zum Beispiel vornehma, dass ma dieses Jahr a bissl Ballast obwirft.

Vor kurzem hob i folgenden Satz glesen: „Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“ I hob darauf hi an Blick in mein Kleiderschrank geworfen. Und seither hob i Angst davor, dass ich von gefühlt 53 Pullis, 161 Unterhosen, 74 Blusen, 23 Röcken und 35 Jeanshosen in Besitz genommen werde. Oba moi im Ernst – ganz unwahr ist des ned. Besitz kann aa belastend sei. Und wenn ma ehrlich is – wie vui vo de ganzen Sachen, die ma in da Wohnung hod, braucht ma wirklich? Warum hod ma’s dann eigentlich no? Und warum fällt es oft so schwer, se von diesen – eigentle unnützen – Sachn zu trenna? Zu faul zum Auframma? Koa Lust zum Aussortieren? Vielleicht.
I bewunder do de Leute, de do ganz gnadenlos sei kinna. De heben fast nix auf, wos sie nicht ständig in Gebrauch ham. Für de gilt da Vorsatz: Lieba a Drum zu vui weggworfa als a Drum zweng. I kann des ned. I moch ma dann oft Sorgen, dass i des, kaum dass i’s weggworfa han, af oinmoi wieder brauch. Des Drum – und ned oa anders vo de einemilliondreihundertfünfundachtzigtausendzweihundertundfünf, de na in da Wohnung rum liegen. Wobei i dazua sogn muaß, dass de vielen Sachen bei mir scho guad aufgrammt sind. In Kisten, Schränken und Regalen.

Oba wia aa imma – mei Vorsatz für’s neie Jahr lautet deswegn: Ballast abwerfa! Am besten, i fang mid de ganzen unnützen Sachen in unserm „Wellnesszimmer“ an! Damid moin i ois, wos af da rechten Seiten vom Zimmer steht! Davo trenn i mi bestimmt recht leicht. Des gehört nämle ned mir. Sondern meim Freund. I find, der hod vui zvui Glumb. Jawoi! I moin, wer braucht scho fünf Gitarren, drei Bassinstrumente und zwoa so komische Trommeln? Koa Mensch! Und weil er se sejba wahrscheinlich aa so schwer vo Sachen trennen kann wia i, kannt i des für eahm erledigen. So, als guade Tat für’s neie Johr! GENAU! Ein Liebesbeweis der höchsten Güte! Finde ich. Oba pssst! Nix verraten! I wui ihn damit überraschen. Und dann hed ma wieder ganz vui Platz in der Wohnung. I hob do nämlich diese wunderschöne, orientalische Laterne in dem Gschäft in der Stodt gseng. De würde wunderbar zu de anderen fünfhundertachtundneunzig Laternen in unserer Wohnung passen. Am besten, i fang jetzt glei mid der Aktion an. Dann bin i fertig, bis mei Freind vo seiner Dienstreise zruck kimmt! Des wird a Überraschung, der wird schau! A supa Vorsatz – und dann aa no glei in de Tat umgsetzt. Des kann nua a echt guads Joahr wern, des 2017!

 

Ois Guade für Sie!
Herzlichst Ihre Dialektwächterin
Isabella Guttenstein

P.S.: Diese Aktion is übrigens ned unbedingt zur Nachahmung empfoin. Sunst wird ma vielleicht sejba als Ballast betrachtet, der abgeworfen wern soid…