XXXVIII. Bayerisches Eck

Echte Freindschaft

 

Vielleicht ham Sie des aa scho amoi ghert: „Echte Freindschaften gibt’s nua unter Männern.“ Des is natürlich a Schmarrn! Oda wivui Männer kennand Sie, de mid ihre Freind stundenlang telefonieren kinnand? Eben. Wahr is hingegen, dass ma echte Freindschaften nua mid ganz besondere Leid hod. Ob unter Männern oder unter Frauen, des spejt do wenga a Rolle.

I hob des Glück – und des is aa wirkle a Glück – dass i in meim Leben a boar ganz besondere Menschn gfunden hob, de i zu meine Freind zejn derf. Des sand Menschen, de da aa um zwoa Uhr Nachts no zuahörn, weil du grod a Krise host. Mid denen du stundenlang bei am Glasl Wein – oda zwoa oda drei – aufm Balkon sitzen und redn und Leid beobachten kannst. De zua dir stehn, egal wia’s kimmt. Menschen, de de so nemmand, wiast bist und de trotzdem mengand. Und zwar über Jahre. Im Glücksfall a ganzes Leben lang. Des is eigentlich wia a Familie. A zusätzliche! Oane, de du dir komplett sejba ausgsuacht host. Und am ollerbesten is‘, wenn du aa no deine Familienmitglieder zu Freunden host. Dann bist echt gesegnet. Und deswegn is des heidige Bairische Eck a „Hommage“ an de Menschen in unserm Leben, de oam wahre Freind sand. I nenn jetzt für mi persönlich koane Namen, de Richtigen wissen sowieso, dass gmoind sand.

Oba man kann ma ned oft gnua iba des redn. Wenn Sie aiso glaubn: Mensch, dadrüber hod doch de Isabella Guttenstein scho amoi gschriebn, oder? Dann ham Sie ned ganz Unrecht. Denn vor a boar Monat hob i mi amoi mid dene befasst, de eben koane echten Freind sand. Menschn, de imma nur dann kemand, wenn’s wos brauchand. Um de geht’s oba heid goar ned. In bezug auf de hamma ja  sowieso ausgmocht: Vo dene loss ma uns nimma ausnutzen. Liebe Leserin und lieber Leser: Ham Sie des eigentlich durchghoidn? Oder sand Sie doch moi wieder enttäuscht worn? Mocht nix, des passiert. Oba i mecht ejtz ned abweicha.

Im Internet kursiert a recht lustiger Spruch, der’s af den Punkt bringt: „I hob nur solche Freunde, die mich, wenn ich morgens in Oslo mit dem Slip auf dem Kopf aufwache, kommentarlos abholen.“ I glaub, des fasst’s echt guad zam. Wobei i ehrle gsogt scho schau, dass ma so a Schmarrn am besten ned passiert.
Nebenbei bemerkt: I woas aa ned, ob es immer so vergnügungssteuerpflichtig is, mid mia befreundet zu sei. Heid kann moi die Wejd für mi untergehn und morgen schaut scho wieder d’Sunn raus hinter de Wolken. Des is vielleicht a bissl wia Achterbahn fohrn. Aiso, mir kimmts zumindest manchmoi so vor. Oba, andersrum gilt des natürle aa: Für de Menschn, de ma wichtig sand, fir de bin imma erreichbar und de kinnand praktisch ois vo mir hom. Zur Not fohr i aa noch Oslo. Wobei i ned glaub, dass dene sowos passiern kannt.
Ob genau des is es, wos de wirklichen Freind auszeichnet: Sie wissen, dass se ois vo dir hom kinnand, oba se dadnd des nia verlanga. Nia! Und deswegn liabe Leser, hod’s ejtz nochmoi a Bairisches Eck über des Freindschaftsthema braucht. Weil i glaub, dass ma heid, wo ma über den ganzen sozialen Medien im Prinzip mid der ganzen Wejt vernetzt sein kann, ganz leicht übersegn kann, wos sowas bedeit. Wia war’s denn damit, wenn ma an regelmäßigen Freindschaftsdog einlegt? Oam, an dem man oba ned über Facebok und Co kommuniziert, sondern nur in echt? Bei am Kaffee oder am Bier, an scheena Spaziergang oder einer Wandertour? An solchen Freundschaftsdog ham Sie scho? I aa, oba vui zu selten. Deswegn: Pack ma’s an! Ois Guade für Sie und Ihre Freuindschaften!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein