XL . Bayerische Eck

Emanzipation

De Geista, de ma gruafa hod

 

Szenen aus ana Beziehung:
Er: Schatz, was mochma denn
an unserm Jahresdog?
Sie: Was Scheens!
Er: Mir kannten essen gehen.
Sie: Gern!
Er: Du lodst mi ein! Und Blumen mog i aa!

Liabe Frauen unter de Leser vom Bairischen Eck, mia miassn heid amoi über die Emanzipation redn. Weil irgendwos is da ganz schee schiaf glaffa. Liabe Männer unter de Leser vom Bairischen Eck: I woas scho, wos Ihr jetzt denkt. „Des sand de Geister, die’s ihr Frauen gruafa habts!“ Ja, irgendwie scho. Oba andererseits aa ned. Weil so ganz gleichberechtigt sand man o ned.

Wobei ma vui erreicht ham. Man muass se nur amoi vorstelln, dass se in zwoa Johr, 2019 nämlich, de Einführung des Frauenwahlrechts zum 100. Moi jährt und dass des Grundgesetz mid dem Gleichberechtigungsartikel dann seit 70 Johr gelten wird. Mir miassen aa nimmer unsere Männer frogn, ob ma arbeiten dürfen. Und mehr als die Hälfte aller Frauen zwischn 20 und 29 haben heute Abitur. Bei de Männer sands übrigens nur knapp die Hälfte. I dad sogn – do haben wir guad aufgholt, Mädels! Nur schad, dass se des no ned bis in die obersten Führungsebenen durchgsetzt hod. Wobei i mi oft frog, ob i sowas ibahaupt möcht. Weil Privatlebn hod ma do koans mehr, so als Spitzenmanagerin. Und vielleicht is des mid a Grund, warum des eben so is. Weil Frauen ihre Prioritäten im Leben oft anders setzen. Und des is aa ned schlecht.
Im Gegenteil.
Oba vielleicht is genau des da Punkt: Dass man’s könnte, wenn ma möcht. Und dass ma dabei ned aufghoidn wird. Oder sich sejba aufhoid. Denn i muaß leida auch oft feststelln, dass manchmoi Frauen sejbst arge Feinde der Emanzipation sand. Mir sand scho aa ein Stück weit selbst verantwortlich für uns. Und solange mir no zualossn, dass ma af Mütter, die Vollzeit arbeiten, obaschaut, während ma de Männer bewundert, de se neben dem Job um ihre Kinder kümmern – ja, tut ma leid – dann sand ma hoid aa a bissl sejba schuld.

Mei Bruada hod amoi gsogt, die Emanzipation geht wahrscheinlich na amoi so weit, dass aa Männer Kinder kriagn miassn. Des is natürlich a Schmarrn. Mir sand ja ned bei de Seepferdchen. Do trogt nämlich tatsächlich der Mann die Jungen aus. Bei uns wird des oba nia so wern. Und deswegn is es aa nur gerecht, wenn Ihr Männer uns die Tür afhoids, Blumen mitbringds, zum Essen einlods oder Schmuck schengds! Als Lastenausgleich sozusagen. Und wenn’s Ihr dann moi de Kinda krieagst und olles, wos da dazu ghört – dann moch ma mir des alles auch für Eich. Vosprocha!
Apropos. Sie frogn se jetzt vielleicht, wia de Gschicht vom Anfang ausganga is.

Sie hod tatsächlich an Blumenstrauß kafft. Aber er hod sie dann zum Essen eingladen. I find, des war a guada Kompromiss in Sachen Emanzipation. Und des Wichtigste dabei: Jeda hod sich seine Würde bewahrt. Damid kann ma dann scho leben. In diesem Sinne: Bleibm Sie sich treu!

 

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein