XLIV. Bayerische Eck

Musik für’s Leben

Es gibt so vui Situationen im Leben, die ma mid Musik verbindet. Scheene und traurige. Es gibt Lieder der Jugend, des Lied der ersten großn Liebe und Lieder, zu dene man mid Freind lauthals gsunga hod. Es gibt Lieder, die ma sofort mog – und Lieder, de ma immer scho ghasst hod. Und egal, wos davon – wenn man des Lied wieda hört, dann is genau des gleiche Gfühl wieda do. Und man fühlt se wie in da Zeit zrückgworfa. Oder man hört’s in Dauerschleife, wenn’s a neia Hit is.

Musik is a „Emotionshitzerin“ hod der Philosoph Dénis Diderot recht treffend gsogt. Es entführt oahm in a Labyrinth der Gefühle, hod er gmoint. I find, des is a recht a treffender Vergleich. Oba wia is‘ eigentlich ibahaupt dazua kemma, dass Musik so an großn Stellenwert einnehma kann?

De große emotionale Bedeutung vo da Musik hod sehr vui mid ihrer breiten Verfügbarkeit zum doa und zwar unabhängig davon, ob ma sejba a Instrument beherrscht oder singa kann. Und wenn ma an Zeitpunkt nenna wui, mid dem de Entwicklung so richtig sein Lauf gnumma hod, dann war des 1887. Denn in dem Joahr is des Patent für’s Grammophon angmeldet worn. Des ist praktisch sowos wia de Geburtsstunde von da Verbreitung vo Musik af Tonträger. Zehn Joahr später ist de Schellackplatte entwickelt worn. De hod ma dann in beliebiger Zahl pressn kinna. A wichtige Rolle für de Bedeutung vo Musik hod oba sicher des Radio gspuid, des in de 1920er und 1930er Jahre in immer mehr Häuser einzogn is. 1965 is schließlich de Musikkassette af den Markt kemma und 1985 die CD. Und spätestens mid da CD is es vor allem möglich worn, Lieder so oft und in der Reihenfolge zu hörn, wia ma sejba mecht. Oba wahrscheinlich erinnern Sie sich aa no daran, wia ma früher vorm Radio gsessn san und mid dem Kassettenrecorder bei der Hitparade de Lieblingsliada mitgschnittn hod. Und wia sauer ma war, wenn da Verkehrsfunk dazwischengfunkt oder irgend aa bleeda Moderator dazwischen gredt hod. Des wenn ma heid de Jugendlichen vozejt, de lachn oam grod no aus. Manche ham in ihrem ganzen Leben vielleicht no ned amoi a Musikkassetten gseng. Und a Schallplattn oft aa grod, weil des im Zuge der Retrowelle wieder bekannter worn ist. De Jugendlichen in meim Bekanntenkreis ham ja ned amoi mehr CDs. Weil heid, do „streamt“ ma ! Falls Sie ned wissen, wos des is: Des bedeit, dass Sie a bestimmte monatliche Gebühr zahln und dafür Musik – egal welchen Titel von welchem Interpreten – über a Internetplattform hörn können. Dabei hob i ma vor a boar Johr denkt, dass i mid meim MP3 Player und der dafür einzeln gekauften Musik scho „hip“ bin. Oba sejbst des is ja scho wieder überholt. Ob oans is bei der ganzen Entwicklung ned volorn ganga – dass Musik menschliche Gefühle af a ganz besondere Weise beeinflussn kann. Oder kinnand Sie sich an Film ohne Hintergrundmusik vorstejn? Und wenn ja, hed er dann de gleiche Wirkung? Eben. Des trifft heid genau noch so zua wia früher, denkens bloß an „Der dritte Mann“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Psycho“ af der oana Seiten und oan vo de neueren James Bond Filme, zum Beispiel Spectre, oder an Harry Potter af da andern Seitn. Ohne Musik – undenkbar. Vui vo da Spannung wird nur durch Musik gschaffn. Und Musik wiederum nimmt für jeden persönlich aa a besondere Bedeutung an, weil ma eben a bestimmtes Lied mid am bestimmten Erlebnis verbinden kann. Und deswegn is Musik einfach wos, des oahm durch’s Leben begleitet und des a bissl wia a Biografie wirkt. Lieda sand a bissl wie Tagebücher – mid am bestimmten Lied is de Erinnerung wieder do.

Deswegen gibt es diese Moi im Bairischen Eck a sprichwörtliches „Hohelied“ af de Musik! Weil sie – zumindest geht’s mir so – oahm aa af a ganz besondere Weise aufmuntern kann, weil sie eher fade Sachen – wie zum Beispiel Putzen – schöner mochd und weil sie oahm manchmoi eben aa zu Tränen rührt. Und weil ma sich ned immer bewusst ist, wie arm de Welt wär, ohne Musik.

Ich wünsch Eahna an guadn und gsunden Start in den Frühling, an Frühling mid viel Musik!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein