XLV. Bayerische Eck

Endlich wieda im Biergoartn!

Es is wieder soweit! Zeit fürn Biergoartn! Is‘ Eahna aa so vorkemma, dass der Winter goar nimma enden möcht? Mir scho. Es war teilweise so eiskoilt, do hob i gmoant, mir sand ma aaf oamoi in Sibrien glandt. Oba jetzt blüht und sprießt ois und de Biergärten und Außenplätze vo de Cafes sand wieda voi. Do bin i wieder vosöhnt mid da Wejd.

Ham Sie eigentlich gwusst, dass die Tradition, dass ma in an Biergoartn sei eigenes Essen mitbringen derf, aus der Anfangszeit von dene Schankwirtschaften stammt? Und welche Gschicht unsere Biergärtn ham?

In ana Zeit vor unsere heutigen Kühlmöglichkeiten hod ma s`Bier nämle in sogenannte Eiskeller gelagert. De hamd se in da Münchner Gegend oft in de Flussterrassen der Isar befunden und damid’s aa im Sommer no kühl dort war, hod ma oben drauf Kastanienbäume pflanzt. De ham nämle koana tiefen Wurzeln, de den drunter liegenden Keller bschädigt hättn und spenden außerdem vui Schatten. Der Ausschank vo Bier an Gäste war de Brauer allerdings lange Zeit verboten, oder nur zu ganz kurze und bestimmte Zeiten erlaubt. Denn de Münchner Wirte ham do wos dagegn ghobt, des war ja schließlich Konkurrenz. Erst um 1812 is de Brauer im Münchner Isarkreis der Bierverkauf gestattet worn, allerdings ham’s koa Essen anbietn derfa – außer Brot. Deswegn ham de Leid ihre Brotzeit sejba midbringa miassn. Dreizehn Joahr später is des Gewerberecht oba überarbeitet worn und vo do an durften sie in de Biergärtn aa andere Getränke und Essen ausgebm. Später is der Unterschied zwischen de traditionellen Kellerwirtschaften, also de „Ur-Biergärtn“ und de Gartenwirtschaften immer mehr voschwumma. Heid bezeichnet se vui mehr als „Biergoartn“, aa sene Flächen, die mid dem ursprünglichen Schankbetrieb über am Eiskeller wenig zum doa ham.

Oba so schlimm is des eigentlich aa ned. Denn wenn’s Bier schmeckt und der Biergoartn oafach schee is, dann passt des aa. Und wenn da jeweilige Wirt aa no a bissl Sinn und vor allem aa Platz für de ursprüngliche Tradition hod und a boar Plätze anbietet, wo ma sei Essen no sejba midbringa derf, dafür oba de Getränke vo da Wirtschaft kafft, dann is des echt a bsonderer Ort. Und soiche Wirschaften gibt’s no. Aa außerhalb vo Münchn. Sejbst wenn ma des dann goar ned wirklich nutzt und sich’s Essen sowieso wieda vom Wirt kafft, oba aloa dass es erlaubt is, hod an ganz besondern Charme. Find i zumindest.

Oba wia aa immer – Biergoartnzeit is oafach a scheene Zeit. Ich wünsch Eahna an schöna Sommer mid ganz vui Sonne und Zeit für de scheena Momente. Und für de bayerische Tradition, zum Beispiel in de Biergärtn.

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein