XLVII. Bayerische Eck

Eigentlich sand’s Osterhasn

Mensch, was war des heia für a Sommer! Und a Frühling. Und a Herbst. Golden einfach! Ich glaub, so viele Sonnenstunden habn mir schon ewig nimmer ghabt. Guad, de Hitze war zwischendurch aa nimmer schön, vor allem für die Natur. Oba beschwern, nein beschwern möcht i mi trotzdem ned. Balkonien und Terrassien waren heuer so italienisch wia seltn zuvor. Da hod ma praktisch goar ned in Urlaub fohrn miassn. Bin i aa ned. Des hod zwar andere Gründe ghobt, aber es gibt mir jetzt oafach a guads Gfui, wenn i mir sog, dass‘ des ohnehin ned braucht hod!

Naja, a bissl Fernweh hätt I grod schon. Möcht eigentlich am liebsten in den Süden verschwinden und den Sommer no a bissl volängern. Vielleicht weil dieser schöne Sommer, der in an wahrhaft goldenen Herbst übaganga is, nun langsam zu Ende geht. De Dog wernd wieder kürzer und in da Früh segt ma scho manchmoi de Nebelschwaden. Darauf bin i no gar ned eingstellt! Und weil des ois no ned reicht, stehn in de Supermärkte tatsächlich scho wieder die Nikolaus und Lebkuchen rum.

I find des ja scho a bissl komisch. Grod no am Eis gschleckt und in da Sonne glegn und dann soid ma mid oam Schlag auf amoi an Glühwein denga. Wenn i dann durch unsere Wohnanlag geh und de oane Nachbarin im Bikini auf der Sonnenliege liegt – Ende Oktober wohlgemerkt – dann kimmt ma des Ganze erst recht ziemlich absurd vor. Scho a verrückte Welt – auf den Terrassen no Sommer und in de Gschäfta scho Weihnachten.

Oba i hob a Strategie entwickelt: Um des Ganze für mi erträglicher zu gestalten, denk i mir vor de Supermarktregale mit den Weihnachtsschokosachen, dass des eigentlich Osterhasen sind. Heißt’s ja immer: De Osterhasen, de im Frühling ned vokafft wern können, werden eingeschmolzen und kemmand sozusagen als Nikolaus wieder af d‘Wejd. Ja, i woas scho, des is nur a blödes Gerücht. Oba mir hilft des momentan ungemein über mein „Warum-is-der-Sommer-scho-zu-Ende-Blues“ hinweg! I steh dann vor de Schoko-Nikoläuse und sog ma im Stillen: Ihr seid’s Osterhasen! Osterhasen! Osterhasen! Also, i hoff, dass i des nur in Gedanken sog und ned versehentlich laut… vor kurzem hod mi a andere Kundin ganz komisch vo da Seitn angschaut, vielleicht hob i da doch laud denkt… Jedenfalls: In den Supermarkt geh i jetzt moi a Zeit lang ned. Bis Ostern, hob i ma überlegt.

Und außerdem genieße ich jetzt no jeden Sonnenstrahl und gfrei mi über jeden warmen Tag. Und wenn’s Wetter nimma so schee is, dann gfrei i mi wahrscheinlich auch iba de „Weihnachtsosterhasen“ in de Gschäfta!

I wünsch Eahna a scheene Zeit, mit tollen Erinnerungen an den Sommer – und viel Vorfreude auf den Winter.

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein