XLVIII. Bayerische Eck

Ziele für’s Lebn

 

Im Leben braucht’s immer wieder moi Zäsuren, oder besser gsogt Anlässe, zu dene ma se Gedanken über des eigene Leben mochd und wia’s weitergehn soi. Der Jahreswechsel is so a Anlass. I hob für mi a neis Motto dafür gfunden: Neis Johr, neis Glück! Vorsätze nimm i mir gar koane mehr, i loß des Ganze inzwischen oafach auf mi zuakemma. Hob mi sowieso nie so richtig daran ghoidn und dann hod’s mi grod frustriert. Oda i hob spätestens nach drei Monaten nimma gwusst, wos i mir genau vorgnumma hob. Des war dann aa ned besser.

Oba a boar Lebensziele zu haben is scho guad. Des gibt oam irgendwie a Richtung. Und am besten sind des Ziele, die ma auch erreicha kann. Vielleicht ned innerhalb von einem Johr. Oba grundsätzlich innerhalb einer gewissen Zeit.
Oans meiner Lebensziele is, dass ma se selba oafach so nemma soi, wia ma grundsätzlich is. Und dazua ghörn aa a paar Laster. I zum Beispiel werd nia ohne Schokolade und a paar Kitschsendungen leben kinna. Mecht i a goar ned. A Leben ohne Schokolade und Kitsch is möglich, oba sinnlos (frei nach Loriot und seim Mops). Sowas ghört zum Leben oafach dazu. Basta. Selbstkasteiung mochd oafach koan Spaß!

A weiteres meiner Lebensziele is, a Dahoam zu haben. Mir tun de ganzen ruhe- und rastlosen Seelen leid, die koa Zuhause habn. Weil ich glaub, dass ma nur dann in sich ruhen kann, wenn man woas, wo ma hi ghört. Des gibt oam Sicherheit und Stärke. Do kann ma Kraft tanken. Des is wia a Ladestation. A Nest, in des ma immer wieder zruck kehrn kann. Sowos zu habn, oder sich zu schaffa, hoid i für ganz wichtig. Und damid moan i ned unbedingt an bestimmten Ort. A Dahoam kann ganz vui sa.
Und a drittes Lebensziel – und des is oans, mid dem i mi oft a bissl schwer tu – is: Loslassen lerna. Manchmoi muaß ma Dinge, Gedanken, Ziele und aa Menschen gehen lossn. Aa wenn’s schwer foid. Es gibt so an Spruch, den i mir dabei immer wieder ins Gedächtnis ruaf: „Was du liebst, lass frei. Kehrt es zu Dir zurück, gehört es dir für immer. Wenn nicht, hat es dir nie gehört.“ Dann hilft’s aa goar nix, wenn ma se krampfhaft daran klammert. Des is Zeit- und Energieverschwendung. Diese Erfahrung hod a jeda vo uns – wenn ma ganz ehrlich is – schon öfter moi gmocht. Und trotzdem häng ma manchmoi wia Pattex an etwas, des ned bleibn will. Schee bled.

Oba Gott sei Dank is ja jetzt a neis Johr und man kann sich diese Lebensziele wieder ins Gedächtnis rufen und versuacha, eahna dieses Moi a bissl näher zu kommen. Am besten mid einer Tafl Schokolade. Und am Rosamunde Pilcher Film. Des is doch dann scho a guada Anfang. Oder?

I wünsch Eahna ois Guade für 2019! Bleims gsund und bleibn’s vor allem der Bizz treu – des lohnt se! Behaltens ihre Lebensziele im Auge – oba übertreiben Sie’s ned. Denn manchmoi reicht’s aa scho, wenn man oafach a bissl Geduld hod und abwartet. Dann find sich ganz vui vo fast ganz alloa.

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein