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BIZZ! Mai-Juni

LIEBE LESER,

 

Ich möchte Sie etwas fragen, denn bei Ihnen bin ich richtig. Sie lesen eine Zeitung. Zumindest jetzt gerade. Haben Sie das Gefühl, dass Sie damit zu den Dinosauriern gehören? Dass Sie, umgeben von scrollenden, tippenden Mitmenschen (die nicht mehr blättern, sondern wischen), fast fremd auf dem hauseigenen Planeten wirken. Ernten Sie komische Blicke, wenn Sie zugeben, Sie hätten gestern in einem Buch geschmökert, dann ein anderes aus dem Regal gezogen und eine Textpassage mit dem Bleistift markiert, um sie immer wieder aufs Neue zu lesen? Angesichts einer aktuellen Debatte, ob eine Bücherei gebaut werden soll oder nicht, stelle ich fest, dass ich nicht auf Bücher verzichten möchte. Meine Kinder auch nicht. Und ich glaube nicht daran, dass ein unstetes, unsicheres „online“, das wie eine Seifenblase neben einem gedruckten Schinken wirkt, all die wunderbaren Bücher verdrängt. Für manche waren Bücher immer schon reiner Schmuck, für andere ein Lebenselixier, das man sich immer wieder einflösst, um in diesem ganz individuellen Kopfkino zu versinken.

Ich lasse mich gerne auf ein Kompromiss ein. Schließlich kann ich mit einem ebook-Reader sehr viele Bücher mit in den Urlaub schleppen, ohne Zusatzgewicht bezahlen zu müssen. Aber eben Bücher, die man so im Vorbeigehen liest, die man nicht vermisst, wenn sie nicht im Regal stehen. Die man nicht mit einer Widmung versehen, der besten Freundin in die Hand drückt. Und nun mache ich mich auf den Weg, um eine Originalausgabe von Pippi Langstrumpf zu erstehen, Astrid Lindgren – danke, für deine wunderbaren Geschichten und den Zauber, den du mit ihnen in Familien streust – für immer.

Ihre Henriette Matovina