L . Bayerische Eck

Koa Vergleich!

 

Im Leben gibt’s a boar ganz miese Fallen. Foische Freind, furchtbare Familienmitglieder, denen ma ned entkommen kann… und Vergleiche! Es is, glaub i, ganz normal, dass ma sich mid andere vergleicht. Vor allem mid Menschen, die in ähnlichen Lebensumständen sind oder bei denen ma irgendwelche Parallelen zu sich selbst sieht. Oba es is trotzdem a ganz furchtbarer Bledsinn! Und mocht meistens nur unzufrieden. Vor allem wenn ma dazua neigt, bei andere nur des vermeintlich Bessere zu sehn.

Bsonders schlimm is des Ganze, wenn’s um Kinder geht. Sie glauben goar ned, wievui Kinder mid sechs Monaten scho glaufen sand. In de Erzählungen von de Eltern und Großeltern zumindest. Grod dass sie ned erzählt ham, dass sie scho fließend Latein gsprochen ham und bei „Jugend forscht“ angmeldet sand.

Eigentlich woas man ja, dass in de Erzählungen der stolzen Verwandten schnell mal jeder Pfurz zu einem Operngesang hochinterpretiert wird und doch losst oan des nia ganz koid. Mehr unbewusst wia bewusst schaut ma dann de eigenen Sprößlinge genauer an und frogt sich, warum sie des eine oder andere ned können. Meistens denkt ma dann erst moi, dass man selba irgendwos
foisch gmocht hod. So als ob des a Wettbwerb wär. Wia bei de Gärtner. Do hod nämlich der den größten Kürbis, der sei Handwerk am besten beherrscht. Und irgendwie fühlt ma sich als Mama oder Papa dann aa wia a Gärtner. Und wenn der Kürbis, also des Kind, ned so schnell so viel kann wie gleichaltrige, dann hod ma glei a schlecht’s Gwissen. Oder, noch schlimma, man moind, es stimmt wos ned mit de Kleinen.

2017 is laut einer Studie angeblich bei 28 Prozent der Kinder mindestens oamoi innerhalb von oam Jahr a psychische Störung diagnostiziert worn, bei 45 Prozent der fünfjahrign Bubn a Entwicklungsstörung. 45 Prozent! Des is fast jeda zwoate im Alter vo fünf Johr! Wahnsinn. Da frag i mi schon, ob ned in Wahrheit manche Ärzte entwicklungsverzögert sand. Koa Wunder, dass so vui Eltern so sensibel drauf reagiern, wenn andre Kinda mehra können als de eignen im gleichn Alter. I hob ja den Verdacht, dass da ganz schön viel überdiagnostiziert wird. Wer setzt eigentlich mid welcha Berechtigung fest, wos genau a Kind in am gewissen Alter alles könna muas? Weil wenn de Hälfte der Kinder in diesem Alter des dann ned kann, kann doch do wos ned stimma, oder?

I glaub, mir sand in am Vergleiche-Strudl gfanga. Aa als Erwachsene. Mehr, bessa, reicha, gscheida. Des woin ma san. Der Blick af des Eigene, af des, wos ma ois kann, hod, mocht und sein darf, des gerät dabei oft in Hintergrund. Schad – wirkle schad! Mir solltn damid afhörn! Und zwar ganz schnell. Vor allem solltn mir uns aa ned ständig mid andere vergleicha. Wir segn ja ohnehin nur an kloana Bruchteil von dem, wos andere Menschen sand und können. Ganz ehrlich? Gesund und glücklich. Des is ois, wos zejd.

In diesem Sinne wünsch I Eahna an guadn Start in an entspannten Sommer, an Sommer mit möglichst wenig Vergleiche und am Hoch auf die Einzigartigkeit vo jedem vo uns! Weil jeder ist eben unvergleichlich!

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin
Isabella Guttenstein