XXI. Bayerisches Eck

bay FahneDes ged af koa Kuahaut!

Wia ham Sie Ostern verbracht?

Bei ana Ostamess und gemeinsam mid Familie und Freind? San Sie ordentlich in sich ganga, ham ihre Verfehlungen bereut und Besserung gelobt? Aiso i scho. Na ja guad, i hob ma Mia gebn diesbezüglich. Immahin is Ostern des höchste christliche Fest und somid besta Anlass fir a Persönlichkeitsoptimierung! Aa wenn ma imma moint, dass des höchste kirchliche Fest Weihnachtn san miassad, weil’s do de meistn Gschenke gibt. Oba es is Ostan. Weil um de Gschenke geht’s ja ned. Schwar zum glaubn, in unsara vom Konsum dominierten Wejt, i wois scho. Naja, de meistn wern se wahrscheinle vor allem iba de vier freien Orbatsdog gfrein.

Mid dem Glauben is es ja inzwischen so a Sach worn. I hob übrigens imma gmoint, dass Bayern des Bundesland is, in dem prozentual die meisten Leid katholisch sand. Von wegen! Des Bundesland mit dem höchsten Anteil vo de Katholiken is’ Saarland: 63 Prozent vo dene sand katholisch. In Bayerns sands 55 Prozent, plus 21 Prozent Protestanten. Guad, mochd immahin 76 % Christen in der bayerischen Gesamtbevölkerung. So weid zumindest zua Statistik. Wer vo dene zu de praktizierenden Christen gherd, kann ma do ned unbedingt raus lesn. Wenn ma se zu manchen Sonntagen de Kirchan während da Mess anschaut, dann losst die Kirchengängigkeit zu wünschn ibrig. Wobei ma übrigens aa während dem Kirchgang am Laster verfallen kann. Wia i ejtz do draf kimm? I sog’s Eana glei.

Kennend Sie den Spruch: Des ged af koa Kuahaut? Des is a Redensart, de seit da 2. Hälftn des 16. Jahrhunderts nochgwiesn is und in Zusammenhang steht mid ana seit dem Hochmittelalter bekannten Erzählung: Dass da Deife de Sündn af ana Kuahaut notiert. Des wiedarum hängt mid da religiösen Vorstellung zsam, dass olle Menschn – also aa Sie und i – Sünder sand und unsere Verfehlungen im sogenannten Buch des Lebens festghoidn wernd. Zum Zeitpunkt des Todes oder beim Jüngsten Gericht wern diese Sünden dann vorglesn. Und damid de Menschn zu Lebzeitn ned zfej Sünden begegand und sie, wos no wichtiga is, vor allem bereuen und Buße doan, sand Erzählungen entstandn, de warnen und erzoagn sollten. Wia eben de Gschicht vom Deife, der de Sünden af Pergament notiert. Und Pergament is zum Beispiel aus Kuahaut hergestejt worn. Naja, und wenn ma se vorstejt wia groaß so a Kua ist, woas ma, dass do ganz schee vej Sündn drauf gegang. De Kirchenleid warn hoid imma scho Optimisten! Hamd offenbar glei gwisst, dass do ebbs kloanas wahrscheinlich ned glangt. Naja, Spaß beiseite. Jedenfois gibt’s do Sagen, de beschreim, dass da Deife in da Kircha de ganzn Sünden auf de besagte Kuahaut schreibt – wenn zum Beispiel gschwätzt oda bei da Predigt ned afpasst wird. Als eam de Kuahaut zu kloa wird wegen de ganzen Sünden, vosuacht er dann, de Haut mid de Zähn zu dehna. Des gelingt eam oba ned und de Haut schnejt zruck, wobei er vor lauta Schreck midm Kopf gega de Kirchenmauer kracht. Oana vo de Gottesdienstteilnehma kriagt des mid, locht eam daraufhin aus, wird oba vom Pfarrer ermahnt und da Deife notiert sein Namen aa af da Haut. So vej zu dera Art vo Erzählung, vo der es voschiedene Versionen gibt. Jedenfalls, davo kommt wahrscheinlich des Sprichwort „Des geht af koa Kuahaut“.

I find aa, dass’ vej zfej gibt, wos wirkle af koa Kuahaut geht! Und do braucht ma bestimmt ned in d’ Kircha zu geh, um des zu segn – do is Schwätzen während da Mess nix dagegn. San ma doch amoi ehrlich: Des Wichtigste is doch, wia ma im normalen Alltag zu de Mitmenschen is. Oba ma liebenswürdig, aufrichtig und respektvoi midananda umgeht und ob ma hilfsbereit is. Oda ob ma im Gegensatz dazu vosuacht, andere Menschen zu hintergehn, auszurichten, nidazumocha und zu manipuliern – fir de eigene Eitelkeit und den eigenen Nutzen. I find, do hejft dann da Kirchgang aa nix mehr! Wos i damid sogn wej? Am Wichtigsten is, wia ma se im Alltag vohoid, an de 361 Dog, an dene ned Ostan is.

Des hoaßt oba ejtz ned, dass Sie ned in d’Kircha geh soin! Denn um ehrlich zu sa: I wej ned, dass mei Nam in dem Moment grod af a Kuahaut gschrim wird…

Ganz herzliche Griaß

Eana Dialektwächterin
Isabella Guttenstein

„Naja, de meistn wern se wahrscheinle vor allem iba de vier freien Orbatsdog gfrein.“

Quellen:
Hans-Jörg Uther: Sündenregister auf der Kuhhaut. In: Brednich, Rolf W. u.a. (Hg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, Band 13, Berlin 2008, S. 46-51.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/201622/umfrage/religionszugehoerigkeit-der-deutschen-nach-bundeslaendern/