XXII. Bayerisches Eck

bay FahneFuaßboi-WM: Bayern gwinnt!

 

Im Moment herrscht Ausnahmezustand. Ganz Deitschland is im Fuaßboifiaba. Ganz Deitschland? Naa, a kloane Gruppn unbeugsama Leid sträubt se gegen den Gruppnzwang. Ganz ohne Zaubatrank! (Naja guad, manchmoi mid am Glasl Wein dopt.) Denn de gscheidn Leid ham oans kapiert: Egal wia’s ausgeht – Bayern gwinnt! Warum? Vozeij i Eana glei, denn oana von dene unbeugsama Leid bin i. Jawoi: I!

Oba vo vorn:
Geht’s Eana aa so? Obwoi de ganzn Vorzeichen unübersehbar warn – Ankündigunga im Fernsehn und im Radio, Beilagn mid Spielpläne in Zeitungen und Zeitschriften, a ungewöhnliche Vomehrung vo Fuaßboi-Fan-Artikeln in de Gschäfta… – und trotzdem is da Beginn da Fuaßboi-Wejtmeistaschaft ganz plötzle und ibarraschend iba oan eina brocha! Und af oamoi is ois anders: Iberoi Fahndl an de Autos und bei jeda Veranstaltung, de man plant und jeda Freundeseinladung, de man aussprecha mecht, muass ma erst moi nochschau, ob ned zeitgleich a Spej stattfindt. Denn soid ma se – völlig arglos – traun, z. B. an Theaterbesuch vorzuschlogn, wenn zeitgleich 11 deitsche Manna gegn 11 Manna andara Nation af am greana Rasen hinter am Boi herlaffand, dann gleicht des faktisch scho ana Gotteslästerung. Des Oanzige, wos ma an solche Dog plana derf, hod an wunderbaren englischn Nam: „Public Viewing“. Zu Deitsch: A mehr oda weniga organisierts Zsammtreffa vo Leid in komischa Trikot-Vokleidung und mid Nationalfarbn af de Backen (im Gsicht, moin i) vor ana groaßn Leinwänd zum Zweck des gemeinsamen Mitfiaberns mid 22 Manna und am Boin inklusiv gemeinsamen Betrinkens. Letzteres aus Frust oda Glick, jedenfalls in groaße Mengen. So veij Stoiz af des eigene Land und de eigene Mannschaft erlebt ma aa nua olle vier Joahr!  

Bsonders guad gfoin mia zu dene Ausnahmezeitn imma de ganzn angeblichn Fuaßboi-Atheisten. Aiso diejenigen, de in da Nicht-WM-Zeit behauptn, sie schaun se ibahaupt niiiiia a Gspej an. Selbst de fiabern dann mid. Manche heimlich, vorm Fernseher dahoam. Andere – de ganz Mutigen – sogoa in da Gruppn der öffentlich-Fußball-Schauenden-und-se-gescheid-Betrinkenden. Böse Zungen sogand, es gehd goar ned amoi so stoark um des Gspej – sondern um den gemeinschaftlichn und durch den Sport votuschten Genuss vo Bier. Wia aa imma: Es is Eich gunnt!

Naja und Glick ham in solche Zeitn, wer wia i in am Mehrparteien-Haus mid persönlichem Nachrichten-Dienst vo da besonderen Art wohnt. Denn wenn a WM-Gspej is, brauch i ned amoi an Fernseher einzuschoitn: I hear des durch de Betonwänd durch, soboid a Tor foid! Und inzwischn kann i am Gschroa vo de Nachbarn meistens aa schon ziemlich sicher erkenna, fir wen des Tor gfoin is. Des is wirkle praktisch, sog i Eana!

Dabei kann ma als Bayer des Ganze doch eh total entspannt segn. Warum? Naja, wei de Spiela vo dem legendären FC Bayern se auf fast olle wichtign Nationalmannschaften voteilen. I hob’ ja scho imma gwusst, dass ma mia Bayern international sand. Und de Bestn san ma sowieso! Wenn ma des also ejtz so segt, dann is’ eh fast schon egal, wer den Pokal hoam bringt – mia Bayern san ma wahrscheinlich sowieso bei de Sieger mid dabei! Und wenn ned, dann wird da FCB des scho richten – mid am neien Spieler aus da Siegermannschaft. Aus Dank dafiar kannten uns de Andern den Pokal eigentlich aa glei freiwillig ibalossn…

Wia aa imma, i muass ejtz leida weida. Bin heid af d’Nocht eingloden – zum „Public Viewing“. Mei, i bin hoid aa nua a Mensch und aa da stärkste Widastand wird amoi brocha…
Oba pssssst – des bleibt unta uns!

Ganz herzliche Griaß

Eana Dialektwächterin
Isabella Guttenstein

Denn soid ma se – völlig arglos – traun, z. B. an Theaterbesuch vorzuschlogn, wenn zeitgleich 11 deitsche Manna gegn 11 Manna andara Nation af am greana Rasen hinter am Boi herlaffand, dann gleicht des faktisch scho ana Gotteslästerung.