XXIV. Bayerisches Eck

bay FahneAa scho wieder do?

 

I kann’s goar ned glauben – es is scho wieda Winta. De Uhrzeit is scho umgstejt – a Stund mehra. Juhuu! Leida nehmans uns de gewonnene Zeid oba in am hoibn Johr wieda weg. Wie gewonnen, so zerronnen. Oba ejz geht’s erst amoi stark af Weihnachten zua. In olle Gschäfte san schon seid gefühlt drei Monaten die Lebkuchen in de Regale und iba de Adventskalender foid ma praktisch fast scho drüber. Dawei bin ich no goar ned soweit. Oba mi frogt ja aa koana. Leida. Dafir muass ma se schee langsam wieda Gedanken um Gschenke mocha. Fir Weihnachten. Weil des is schneller do, wia ma moint.

 

Bei mia wird’s so oblaffa wia jeds Joahr. I nimm ma Anfang November vor, dass i heuer alle Gschenke schon vier Wochen vorm Heiligen Abend beisammen hab. I hab dann aa scho an Haufen Ideen und moch Pläne und bin ma ganz sicher, dass i de Geschenk-Kauf-Aktion ganz schnej umsetz. Tatsächlich kauf i’s dann oba erst am 23. oder gar 24. Dezember. Mid Millionen vo anderen Leuten. Weil, wer braucht scho menschenleere Gschäfte, groaße Auswahl und günstige Preise? Des is doch echt nua wos für Spießer! Ned für kreative, lebenslustige, guad organisierte und beschäftigte Business-Frauen und –Männer. Mia brauch ma des Abenteuer! Mid Ellbogeneinsatz zum Weihnachtsgschenk! Sunst mocht’s ja koan Spaß und nur des mocht’s aa dann so wertvoll fürn Beschenkten. Dass man’s richtig erkämpft und praktisch mid dem eigenen Leben verteidigt hod! Scho fast wia beim Wrestling! So kurz vor der Kasse…

Weil mir grod beim Thema sand: Wos schenken Sie Ihren Lieben? Ganz beliebt san Socken, Haushaltsmaschinen und Duschgels. Damit mochd ma se ganz vui Freind! Ehrlich! I muas gestehn, meine Eltern hob i so gewisse Gschenke scho vor vielen Jahren abgewöhnt. Mei Mama z.B. schenkt mir schon lang nix mehr zum Anziehn. Weil – O-Ton: „Du bist ja so extra!“ Heißt übersetzt: Ich sei so schwierig und heikel. De Strategie hob i mia vo meim Bruada obgschaut. Dem segt ma’s nämlich sofort an, wenn ihm wos ned gfoid. Der kann se do goar ned zamreißen, ehrlich. Und wenn’s jemand dann ned am Gesichtsausdruck merkt, sogt er’s. Ganz direkt. Schonungslos. Oba dafir – des muas ma aa sog – losst er uns vorher immer wissen, wos er sich wünscht. Des einzige Problem: Seine Wünsche san immer so teuer, dass es das Weihnachtsgschenk-Budget überschreitet. Und zwar um einiges. Naja, im Zweifelsfall kriagt er hoid an Gutschein und muas den Rest selba drauf zoin. Apropos Gutscheine: Mi dad echt moi interessieren, wie viele Gutscheine nie eingelöst wern. Sondern im Schrank liegen bleim und vergessen wern. Des ist bestimmt a ganz a ordentliche Summe… na ja, i han mir auf jeden Fall inzwischen angewöhnt, meine Gutscheine immer ganz boid einzulösen. Des letzte Mal bin i geschlagene drei Moi in des Gschäft eineganga, weil i mir de ersten zwoa Moi nix gfunden hob. Des Problem ist nämlich: Wenn dir jemand wos Blödes schenkt, dann kannst deine Gäste und Besucher imma sogn: Des han i ned sejba kafft, sondern geschenkt bekommen. Und i woid de Gefühle von dem, der’s gschenkt hod, ned verletzten. Deswegn steht’s do. Oba wenn ma se mid einem Gutschein wos Blödes aussucht – wos sogt ma dann? „Des han i mia zwar selba ausgsuacht, oba den Gutschein han i geschenkt kriagt und es hod nix Schöneres gebn?“ Wie hört se denn des an? Eben. Man sieht: Auch beim Gutscheinkauf kann ma Fehler mocha.
So, und was nehmen wir uns jetzt vor, bereits Anfang November fir Weihnachten zu kaufen? Eigentlich egal, weil am 23. Dezember gibt’s des wahrscheinlich ohnehin nimma.

Naja, dann stimmen wir uns jetzt zumindest moi aaf de kalte Jahreszeit ein und begrüßen sie anständig. Z.B. so: „So, lieba Winta, bisd also aa scho wieder do. Na guad, i war dann so weit. Jetzt kannt’s eigentlich aa s’Schneien ofanga.“ Wobei – de Sunna duad scho aa no guad… und mid Weihnachten, des hod ja no Zeit. Wir wissen ohnehin no ned, wos ma schenken soin.

Herzliche Grüße

Ihre Dialektwächterin
Isabella Guttenstein