XXVIII. Bayerisches Eck

bay FahneEsoterisch

oder: Wos is dei Mission?

 

Kennand Sie des aa? Von Zeit zu Zeit wern a paar Leute im persönlichen Umfeld vo am Fiaba der ganz besonderen Art ergriffen. Dann brauchan’s af oamoi an „Guru“. Dann mochd se a jeda vo dene an Haffa Gedanken über den Sinn des Lebens. Und moind, ma muas dringend des ganze Leben af den Kopf stejn. Es spricht ja nix dagegen, wos zu ändern. Oba des Problem is: Diese Leute möchten, dass olle andern mid mochand. Kürzlich hod mi oane aus meim Bekanntenkreis nach meiner Mission gfrogt und woid – nachdem i a bissl komisch gschaut hob – mi aa no zum Reiki mitschleppen. Ich gestehe, i bin in solche Situationen immer schonungslos unsensibel. „Dua de ned oi – des is nua a Mid-Life-Crisis. Geht vorbei!” hob i darauf hin gsogt. Is oba ned guad ankemma, sog i Eahna. Weil bei der Suche nach der eigenen Mission hamd de olle goar koan Humor. Ganz schön spießig geht’s do zua – auf dem spirituellen Erkenntnisweg.  

Foto: Lisa Spreckelmeyer@pixelio.de

Foto: Lisa Spreckelmeyer@pixelio.de

Aiso ganz ehrlich – mit dem Esoterischen kann i ned wirkle wos ofanga. I bin eher a bodenständiger Mensch. Scho in da Schui han i den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig eingeschlagen und des zoigt eigentlich schon, dass i grundsätzlich erst amoi Beweise brauch, bevor i wos glaub. Vielleicht begegne  i deswegen allem, was zu spirituell erscheint, erst amoi mid am tiefen Misstrauen. I kann mi an ein Mal erinnern – so im Teenager-Alter – als i mid Freunde a Séance mocha woid. Beim „Wollen“ is dann aa blim, denn des is so dermaßen schiaf ganga… Also eigentlich is eben goar nix passiert. Und danach war i restlos davon überzeugt, dass de ois nur a Krampf sein kann. Und de Tarotkarten, de i mir als 16-Jährige kafft han, de liegen heid no – praktisch wie neu – im Schrank. Mia war es oafach zu blöd, die 100 Seiten lange Anleitung zu lesen. Und eigentlich hob i die Karten nur wegen de scheena Motive kafft. Und aus Gruppenzwang – weil des war damals Mode. Ned im Besitz vo mindestens einem Satz Tarotkarten zu sein war zu der Zeit undenkbar. Naja, und so hob i mia hoid aa welche kafft. Und weil sie im Verhältnis zu meim Taschengeld echt teuer warn, hob i’s heid no. Man wirft schließlich nix weg, für wos ma so lang gspart hod.

I glaub übrigens, dass ma mid dem ganzen Bereich der Esoterik in unserer Gesellschaft ziemlich viel Geld verdiena kann. Sicher ned a jeda, oba schauen Sie sich doch moi um. Ganz vui Menschen suchen in unsera Welt nach Orientierung. Dann, wenn ma nimma um sei Existenz fürchten muas, ned verhungern und erfrieren muas, dann kemmand andere Sorgen. Und man suachd noch dem Sinn des Lebens. Weil nur „existieren“ mechad ma hoid aa ned. Man mechad schon mehr. Erfüllung findn, Gutes tun, glückle sa. Und dem Bedürfnis hod se aa a ganze Industrie angenommen, Berater und Coaches, Psychologen und Schriftsteller. Leute, die uns – aa ned immer ganz selbstlos – auf dem Weg zu unserer Erfüllung begleiten wollen.

Aus einer Vorlesung, de i an der Uni moi besucht han, wois i, dass de ganze Ratgeberliteratur, de Beratung und Ähnliches auf jeden Fall oan Zweck für jeden erfüllen kann: Sie hat Entlastungsfunktion. Man woiß dann nämlich, dass ma mid seim „Problem“ oder seine „Sorgen“ ned alloa is und man kriagt a Lösung aufgezeigt, die in oam selbst liegt. Man hod dadurch des Gefui, dass ma ganz viel selba in da Hand hod. A guad’s Gfui!

So, und wo sand jetzt eigentlich meine alten Tarotkarten? I moin, es is ja aa bled, wenn de nur ungenutzt rumliegen. Es is ja vielleicht ganz unterhaltsam, wenn ma de moi zum Einsatz bringt. I glaub, de lege ich jetzt mal. Nur so zum Spaß natürlich. Weil glauben, nein, glauben dua i do natürlich ned dran, an das ganze Esoterische… Und überhaupt: Wieso gibt’s de Karten eigentlich ned auf Bairisch?

Herzliche Griaß
Eahna Dialektwächterin und
Möchtegern-Tarot-Meisterin
Isabella Guttenstein